Die Pharma- und MedTech-Industrie steht vor einem grundlegenden Wandel: Steigende Lebenserwartung, zunehmende Präventionsorientierung und technologische Fortschritte verändern Nachfrage, Geschäftsmodelle und Innovationslogiken nachhaltig. Gleichzeitig erhöhen regulatorische Anforderungen sowie Kosten- und Wettbewerbsdruck die Komplexität. Wie Longevity und technologische Innovation gezielt als strategische Resilienz- und Wachstumstreiber genutzt werden können, war zentrale Fragestellung des digitalen W&P Executive Dialogs.
Innovation ist für Medizintechnik- und Life-Science-Unternehmen kein punktuelles Projekt, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor. „Resilienz durch Innovation ist langfristig das Einzige, was Unternehmen wirklich wettbewerbsfähig macht“, so einleitend Dr.-Ing. Dirk Artelt, geschäftsführender Gesellschafter. Vor dem Hintergrund dynamischer Marktveränderungen – von Prävention über Digitalisierung bis hin zu regulatorischen Anforderungen – komme es darauf an, Innovationspotenziale frühzeitig zu identifizieren und konsequent in marktfähige Lösungen zu überführen. Entscheidend sei dabei ein integrierter Blick auf Strategie, Markt, Organisation und Time-to-Market.
Jürgen Gottinger, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Pharma, ordnete den Longevity-Markt als Zusammenspiel aus Datenverfügbarkeit, Handlungskompetenz und der Motivation ein, nicht nur länger, sondern besser zu leben. Treiber seien insbesondere Individualisierung, Quantified-Self-Ansätze und digitale Vernetzung. „Wir bewegen uns weg von klassischen Produktkategorien hin zu Markträumen, die sich aus Bedürfnissen, Zahlungsbereitschaft und Skalierbarkeit zusammensetzen.“ Für Unternehmen bedeutet dies, Innovation als vernetztes Ökosystem aus OTC-Produkten, Supplements, digitalen Anwendungen und Services zu denken – mit konkretem Nutzen in relevanten Lebenssituationen, etwa in den Bereichen Schlaf, metabolische Gesundheit oder Stress- und Resilienzmanagement.
Viele Produktideen scheitern nicht an der Technologie, sondern an unklarer Positionierung, unterschätzten Markteintrittshürden oder mangelnder Wirtschaftlichkeit. Wie sich Innovationsfelder strukturiert auf ihre Marktfähigkeit prüfen lassen, zeigte Dr. Michael Marquardt, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter MedTech. Die von W&P entwickelte MAP-Analyse ermöglicht eine systematische, marktorientierte Bewertung von Produktkonzepten. „Die entscheidende Frage ist nicht, ob eine Idee technologisch machbar ist. Entscheidend ist, in welchem Marktsegment man spielen will, wie der Marktzugang gelingt und ob sich der erforderliche Aufwand wirtschaftlich rechnet.“ Die Kombination aus Marktverständnis sowie regulatorischer und kommerzieller Bewertung schafft die Grundlage für fundierte Go/No-Go-Entscheidungen und eine fokussierte Allokation von Entwicklungsressourcen.
Simon Moser, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Innovation & New Business, adressierte die operativen Herausforderungen der Innovationsumsetzung. Je nach Innovationsgrad – von inkrementellen Verbesserungen bis hin zu disruptiven Ansätzen – stoßen Unternehmen auf unterschiedliche organisatorische und prozessuale Hürden. Häufige Bremsfaktoren seien unklare Priorisierung, fehlende Governance sowie Defizite im Projekt- und Anforderungsmanagement. „Time-to-Market geht selten in der eigentlichen Entwicklung verloren, sondern im Frontend – bei Zieldefinition, Priorisierung und Entscheidungsfähigkeit.“ Entscheidend seien daher klare Verantwortlichkeiten, hybride Entwicklungsmodelle, professionelles Projektmanagement und transparente Steuerungssysteme, die Innovation systematisch ermöglichen.
In der Werkstattdiskussion wurde deutlich: Innovation ist kein reines Technologiethema, sondern eine zentrale Führungs- und Strategieaufgabe. Nur wer Longevity frühzeitig als strategischen Suchraum definiert und Innovation konsequent auf Markt, Zugang und Wertbeitrag ausrichtet, schafft die Grundlage für nachhaltige Resilienz und neue Wachstumspfade.